Motte




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poetisch

der friedensheld



Ganz unverhofft, an einem Hügel,



Sind sich begegnet Fuchs und Igel.



"Halt", rief der Fuchs, "du Bösewicht!



Kennst du des Königs Order nicht?





Ist nicht der Friede längst verkündigt,



Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,



der immer noch gerüstet geht? -



Im Namen seiner Majestät,





Geh her und übergib dein Fell!"



Der Igel sprach: "Nur nicht so schnell!



Laß dir erst deine Zähne brechen,



Dann wollen wir uns weiter sprechen."





Und alsogleich macht er sich rund,



Schließt seinen dichten Stachelbund



Und trotzt getrost der ganzen Welt,



Bewaffnet, doch als Friedensheld.




(von Wilhelm Busch)




30.10.05 09:08


langschläfers morgenlied



Der
Wecker surrt. Das alberne Geknatter





Reißt
mir das schönste Stück des Traums entzwei.





Ein
fleißig Radio übt schon sein Geschnatter.





Pitt
äußert, daß es Zeit zum Aufstehn sei.





 





Mir
ist vor Frühaufstehern immer bange.





.
. . Das können keine wackern Männer sein:





Ein
guter Mensch schläft meistens gern und lange.





-
Ich bild mir diesbezüglich etwas ein . . .





 





Das
mit der goldgeschmückten Morgenstunde





Hat
sicher nur das Lesebuch erdacht.





Ich
ruhe sanft. - Aus einem kühlen Grunde:





Ich
hab mir niemals was aus Gold gemacht.





 





Der
Wecker surrt. Pitt malt in düstern Sätzen







Der
Faulheit Wirkung auf den Lebenslauf.



Durchs
Fenster hört man schon die Autos hetzen.





-
Ein warmes Bett ist nicht zu unterschätzen.





.
. . Und dennoch steht man alle Morgen auf.




 
(von Mascha Kaleko)




16.10.05 11:14


dumme leute



ach, was sind wir dumme leute -


wir genießen nie das heute

unser ganzes menschenleben

ist ein hasten, ist ein streben,

ist ein bangen, ist ein sorgen -

heute denkt man schon an morgen,

morgen an die spät're zeit -

und kein mensch genießt das heut'-.

auf der lebens stufenleiter

eilt man weiter, immer weiter.



nutz den frühling deines lebens

leb im sommer nicht vergebens

denn gar bald stehest du im herbste

bis der winter naht, dann sterbste.

und die welt geht trotzdem heiter

immer weiter, immer weiter...



(von Otto Reuter)




















16.10.05 00:55


Ich lebe!

ich nehme abschied -

find zurück,

bin traurig -

und genieß das glück,

ersehne, träume, schwebe -

und lebe!



Ich stürme vor -

und halte ein,

kann mutig -

kann auch feige sein,

entscheide, handle, strebe -

und lebe!



was auch geschieht,

ich geb´ nicht auf:

ich renn´ hinab

und keuch´ hinauf,

ich nehme und ich gebe.

verdammt noch mal -

ich lebe!



(von Gudrun Pausewang)

30.9.05 11:57





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